Unsere Leitlinien

 

Sozial- und gesellschaftskritische Grundhaltung

Sowohl in der individuellen Behandlung wie auch im Rahmen der Präventions-, Informations- und Vortragstätigkeit wird besonderer Wert auf die Förderung eines differenzierten Wahrnehmens und Bewusstseins gegenüber sozialen, kulturellen und ökonomischen Normierungen gelegt, die zum „Gesundheits- und Jugendwahn“, Leistungs- und Perfektionsdruck sowie zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Problemen und Krisen beitragen. Wir sehen demnach die Betroffenen nicht nur als Kranke, sondern auch als sensitive Menschen, die wie Seismografen ungelöste Spannungs- und Konfliktpotentiale, die sich aus den spezifischen Lebensbedingungen im Informations- und Technologiezeitalter ergeben, erfassen und symbolisch zum Ausdruck bringen.

Empowerment durch eine gelebte humanistische und ressourcenorientierte Grundhaltung: Wir behandeln nicht, wir begleiten Menschen auf dem Weg der Heilung und Entfaltung.

Dies impliziert, dass Symptome als ein Lösungsversuch respektiert werden, der aus den lebensgeschichtlichen Zusammenhängen der Betroffenen notwendig wurde und Sinn macht. Gleichzeitig wird von Beginn an daran gearbeitet, die in vielen Fällen stark ausgeprägte Einengung und Reduzierung der Betroffenen durch sie selbst sowie ihr soziales Umfeldes auf das „Problem“ zu entschärfen, indem besonderes Augenmerk auf die Förderung und Stärkung der vielfältigen sozialen und individuellen Ressourcen, Kompetenzen und Potentiale der Klientinnen gelegt wird.

Wir gehen davon aus, dass Menschen nach Selbstentfaltung, Entwicklung ihrer Originalität und nach Eingebundensein in ein soziales Netz streben und dies in einem geschützten Raum gefördert und erlebbar gemacht werden kann. Ein verlässlicher, klarer und transparenter Behandlungsrahmen sind der Nährboden, der eine Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt ermöglicht und in dem sich Verhaltensmöglichkeiten erarbeiten lassen, die sich nicht gegen das eigene Leben , die Partner und Familie oder gar gegen den eigenen Körper richten.

Vernetzung geschieht innerhalb der origo Gesundheitszentren, mit anderen Einrichtungen des Gesundheitssektors aber auch mit Verantwortlichen und Organisationen aus dem sozialen, ökonomischen, politischen sowie Medienbereich, damit die Erfahrungen aus der individuellen Behandlung und den Forschungsergebnissen über Störungen, Leiden und Veränderung in eine bedürfnisgerechte Mitgestaltung der Lebens- und Arbeitsräume der Menschen einfließen können.

Modellwirkung

Damit diese Grundhaltungen auch tatsächlich wirksam und in der Arbeit umgesetzt werden, finden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Arbeitsraum vor, in dem einerseits der Rahmen für persönliche Entfaltung und Entwicklung und andererseits die Kooperation, das miteinander Arbeiten sowie gegenseitige Unterstützung und Vertrauen aktiv gefördert werden. Wir gehen davon aus, dass eine wirkungsvolle Behandlung von Menschen mit Problemen, die ja in besonderem Masse unter psychosozialen und gesellschaftlichen Bedingungen, zwischenmenschlicher Kontaktlosigkeit bzw. –schwierigkeiten leiden, auch BehandlerInnen braucht, die sich kritisch und differenziert mit Normen, gesellschaftlichem Druck und einseitigem Leistungsdenken auseinandersetzen und  ihre eigenen schöpferischen und kreativen Potentiale weitgehend leben.

Wir repräsentieren ein lebensbejahendes Gesellschaftsmodell, dass individuelle Entwicklungsmöglichkeiten durch Aktivierung persönlicher Ressourcen und Kompetenzen fördert und einen Bezug zur Umwelt und Gesellschaft bewirkt, die als sinnstiftend und im Sinne einer ganzheitlichen Lebensgestaltung als ausgewogen und autonom erlebt wird.

Da der Kompetenz und Erfahrung des Einzelnen Grenzen gesetzt sind, setzen wir auf interne und externe Vernetzung und Kooperation als State-of-the-Art der Behandlung von komplexen Krankheitsbildern und Veränderungsprozessen. Die Weiterentwicklung neuer Behandlungsmodelle zur Verbesserung der gemeinsamen Arbeit und die Intensivierung der Vernetzung unterschiedlicher Bereiche und Methoden ist demnach unerlässlicher und zentraler Baustein der Arbeitsweise des Institutes.

Störungsspezifischer UND individueller Behandlungsansatz

Psychische und organische Symptome werden als Folge komplexer biopsychosozialer Entstehungsbedingungen gesehen, die – insbesondere bedingt durch die starke Wechselwirkung zwischen Soma und Psyche – häufig eine ausgeprägte Eigendynamik entwickeln. Um diese zu stoppen und das Risiko einer Chronifizierung oder immer wiederkehrender Ereignisse zu senken, erfordert eine gezielte und umfassende Behandlung. Die Basis stellt allerdings immer die spezifische individuelle Situation der betroffenen Person sowie deren Persönlichkeitsstruktur dar. Anknüpfungspunkte sind alle Ebenen des menschlichen Seins (sozial, psychisch, somatisch, spirituell) mit jeweils individuellen Schwerpunktsetzungen.

Multimodalität / Methodenvielfalt

In der Behandlung von Menschen mit unterschiedlichen Beschwerden hat sich bis auf wenige Ausnahmen noch keine bestimmte therapeutische Richtung als einzig wirksame oder effektivere herausgestellt. Um der Komplexität von Krankheitsbildern und Beschwerden gerecht zu werden, empfiehlt sich entsprechend dem aktuellen wissenschaftlichen Stand ein multimodaler Behandlungsansatz. Wir vereinen daher zahlreiche unterschiedliche Therapiemethoden und fördert den schulenübergreifenden fachlichen Austausch sowie die Intervision.

Interdisziplinarität und Kooperation

Kooperation und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Betroffenen durch ein klar deklariertes Behandlungskonzept, klaren Behandlungsbedingungen und Offenheit in einem gleichwertigen Umgang.

Kooperation zwischen Ärztinnen und Therapeuten innerhalb des Teams (link Team): Die komplexen bio-psycho-sozialen Zusammenhänge und Wechselwirkungen bei Beschwerden und Symptomen setzen voraus, dass Ärztinnen ihr Wissen um die Psychodynamik von Leiden in die Behandlung einfließen lassen, und dass in der Psychotherapie die somatischen Aspekte (aktueller körperlicher Zustand, Gewicht, Ernährungsgewohnheiten, Krankengeschichte etc.) der KlientIn thematisiert werden. Um eine optimale Koordination der Behandlung von Soma und Psyche sicherzustellen (alle „ziehen an einem Strang“), wird strukturell und organisatorisch laufend an der Optimierung des Informationsflusses gearbeitet. Gleichzeitig wird die kommunikative Kompetenz des Betreuungsteams durch ein Arbeitsklima gefördert, das tragfähige Arbeitsbeziehungen und Vertrauen zwischen den Teammitgliedern ermöglicht. Im Rahmen des Patientenkonzils findet darüber hinaus ein öffentlicher (mit der KundIn) Austausch und Zusammenarbeit statt.

Kooperation und Vernetzung mit Personen und Einrichtungen aus dem psychosozialen und Gesundheitsbereich, insbesondere mit jenen zur stationären Behandlung von Menschen mit psychosomatischen Beschwerden, wird durch enge persönliche Kontakte, Informationsveranstaltungen, Arbeitsplattformen und konkrete Überweisungen aufrechterhalten und intensiviert. Eine Vernetzung und gute Zusammenarbeit mit stationären Einrichtungen ist im Falle somatischer und/oder psychischer Krisen von besonderer Wichtigkeit, damit ein reibungsloser Übergang von ambulanter zu stationärer und anschließender ambulanter Betreuung erfolgen kann. 

Kompetenz

Alle Mitarbeiter verfügen über eine anerkannte abgeschlossene Ausbildung im jeweiligen Fachbereich. Zusätzlich weisen sie langjährige klinische und praktische Erfahrung sowie theoretisches Wissen zu den spezifischen Krankheitsbildern auf. Regelmäßige Teamtreffen dienen dem fachlichen Austausch, der Intervision sowie der Diskussion organisatorischer Anliegen. Durch regelmäßige interne und externe Fortbildungen sowie Supervision wird eine einheitlich hohe fachliche Kompetenz gewährleistet. Die praktische und methodische Umsetzung wird kontinuierlich durch theoretische und wissenschaftliche Projekte fundiert und weiterentwickelt.

Einsatz von Psychopharmaka

Psychopharmaka werden nur nach sorgfältiger und gründlicher Untersuchung und gemeinsamer Abklärung mit den PatienInnen zur Unterstützung der psychotherapeutischen Begleitung eingesetzt. Über eine begleitende psychopharmakologische Behandlung entscheiden die Fachärzte für Psychiatrie nach strenger Indikation und Absprache mit der behandelnden PsychotherapeutIn.

Einbeziehen des sozialen Umfeldes

Da erwiesenermaßen der Behandlungserfolg verbessert wird, wenn die Familie oder Partner in die Therapie miteinbezogen wird, stellt dies einen wichtigen Baustein insbesondere in der Behandlung Jugendlicher und junger Menschen dar, die noch bei ihren Eltern leben. Da der Versuch einer Lösung innerhalb der Familie oftmals eine tatsächliche Lösung verhindert bzw. das Problem perpetuiert (noch mehr Kontrolle, Misstrauen, ständiges Reden über das Problem) bieten wir den Eltern an, das Thema zu externalisieren, d.h. an uns abzugeben. Dadurch kann sich in den Familien wieder mehr Raum für andere Gesprächsinhalte eröffnen. Weiters geht es auch darum, den Eltern die „Schuld“ an der Krankheit zu nehmen und sie zu ermutigen, aus dieser für alle schwierigen Situation gemeinsam zu lernen.